Lediglich sieben Cent beträgt der reine Getreideanteil an jedem Brot, das wir kaufen. Diese und viele weitere spannende Einblicke in die lokale Landwirtschaft bot das Bündnistreffen am 12. August. Dort berichteten Christin Gansewig (Belafarm) und Antje Brunner (Orion Agrar) von den aktuellen Erfolgen und Herausforderungen ihrer Betriebe.
Trotz unterschiedlicher Betriebsgrößen weisen beide Unternehmen starke Parallelen auf: Sie bewirtschaften jeweils zur Hälfte Grün- und Ackerland. Die Weideflächen sichern das Futter für die eigenen Mutterkuhherden, die man rund um Kremmen und Beetz grasen sieht. Die Kälber wachsen dort behütet auf, bevor sie im Alter von sechs bis acht Monaten verkauft werden. Ein weiteres Standbein beider Höfe ist die Energieerzeugung: Während die Orion Agrar Strom über Photovoltaikanlagen auf den Dächern produziert, betreibt Belafarm eine eigene Biogasanlage, für die neben Getreide auch Mais angebaut wird.
Bürokratie und Fachkräftemangel als größte Hürden
Zu den größten Herausforderungen im Alltag zählt die überbordende Bürokratie. Dokumentationspflichten, Anträge sowie Tier- und Lebensmittelkontrollen binden enorm viel Arbeitszeit. Im Gegenzug profitiert Deutschland dadurch jedoch von Lebensmitteln höchster Qualität – und das bei vergleichsweise niedrigen Preisen im EU-Vergleich. Zudem macht der Fachkräftemangel den Höfen zu schaffen: Besonders in der Viehhaltung fällt es schwer, Personal zu finden, das auch zur Wochenendarbeit bereit ist.
Wirtschaftlichkeit und die Abhängigkeit vom Weltmarkt
Wirtschaftlich sind die Landwirte stark von den schwankenden Weltmarktpreisen abhängig. Erschwerend kommt hinzu, dass die Brandenburger Böden mit durchschnittlich 25 Bodenpunkten wenig ertragreich sind, was die Gewinnerzielung zusätzlich erschwert. Abhilfe könnte eine regionale Vermarktung schaffen. Diese setzt jedoch eine funktionierende Verarbeitungsstruktur vor Ort voraus – eine Entwicklung, die derzeit leider rückläufig ist. In den vergangenen Jahrzehnten mussten viele kleinere Molkereien, Schlachthöfe und Getreidemühlen in der Region schließen und wichen immer größeren, zentralisierten Großbetrieben.
Klimawandel und innovative Zukunftsideen
Den bisherigen Folgen des Klimawandels konnten die Betriebe gut trotzen. Dank ausreichender Niederschläge im Frühjahr reiften die meisten Getreidesorten hier – im Gegensatz zu Süddeutschland – trotz der späteren Trockenheit gut heran. Für die Zukunft gibt es einige Ideen, um die Produktion klimaresilienter aufzustellen: So wird beispielsweise überlegt, robuste Pflanzen wie Nutzhanf für die Textilfaserproduktion in den Anbau aufzunehmen.