Am Sonntag dem 09.11.25 wurde die Gedenkstele an dem jüdischen Friedhof in Kremmen feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Die Stele wird ein dauerhaftes Bekenntnis zur gelebten Erinnerungskultur in Kremmen sein. Die Enthüllung der Stele wurde mit jiddischen Liedern von Karsten Troyke musikalisch begleitet. Gastrednerin war die bekannte Autorin und Kolumnistin für Radioeins Lea Streisand. Etwa 80 Personen nahmen an der feierlichen Veranstaltung statt.
Seit vielen Jahren liegt der jüdische Friedhof still am Rande des Kremmener Friedhofs. Viele Einwohner*innen Kremmens und Umgebung kennen diesen Ort und seine Geschichte nicht. Doch er weist daraufhin, dass es in Kremmen einst jüdisches Leben gab. Das Bündnis für Dialog hat sich dafür eingesetzt, dieses Andenken zu bewahren. Hierfür wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Kremmen und der finanziellen Unterstützung durch das Land Brandenburg eine Stele errichtet, die an die jüdischen Mitbürger*innen erinnert. Die jüdische Gemeinde „Wiedergeburt“ in Oranienburg hat das Projekt beratend begleitet.
Der jüdische Friedhof in Kremmen wurde 1815 angelegt. Die letzte Beerdigung auf dem Friedhof fand 1905 statt. Auf dem Grundstück befand sich außerdem eine Leichenhalle, die jedoch 1924 abgerissen wurde. 1948 beschloss die Friedhofsverwaltung von Kremmen, die Grabsteine des jüdischen Friedhofs an eine Steinmetzwerkstatt zu verkaufen. Dieser Verkauf und damit die Zerstörung des Friedhofs wurde durch die Bemühungen der einzigen in Kremmen nach 1945 neu angesiedelten jüdischen Familie verhindert, die sich mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Nauen und dem Präsidenten des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden, Julius Meyer, verbündete. 1957 waren noch 30 Grabsteine vorhanden, heute sind nur noch 13 Grabsteine zu sehen.
Im Rahmen der Übergabe wurde gleichzeitig an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert. Die Feier wurde mit jiddischen Liedern von dem bekannten Musiker Karsten Troyke begleitet. Herr Sebastian Busse, Bürgermeister von Kremmen, wies auf die gelebte und generationsübergreifende Erinnerungskultur in Kremmen hin. Frau Dr. Anke Geißler-Grünberg vom historischen Institut der Universität Potsdam erläuterte die Geschichte und Bedeutung des jüdischen Friedhofs in Kremmen. Pfarrerin Denise Völlmer verlas Psalmen, die von der jüdischen Gemeinde Wiedergeburt in Oranienburg übersandt worden waren. Die Schriftstellerin und Kolumnistin Lea Streisand las aus ihrem Buch – „Sind Antisemitisten anwesend?“ – von ihren eigenen Erfahrungen mit Judentum und Antisemitismus in Deutschland.
Das Bündnis bedankt sich ganz herzlich bei den Künstler*innen und Redner*innen, den vielen helfenden Händen und vor allem den Bürger*innen, die die Zeit gefunden haben zu der Veranstaltung zu kommen.
Vielen Dank auch an Malte Voigts, der das Projekt unterstützt hat und den Künstler*innen und Organisator*innen einen entspannten Ausklang im Landwirt ermöglicht hat.
Fotos von Dzmitry Brushko


















